Hatheburg
atheburg war die Tochter des in Merse- burg reich begüterten Erwin, eines Grafen
des Hasegaus und der Thuringa Australis, der aller Wahrscheinlichkeit nach auf dem
Weinberg in der Altenburg seinen Sitz hatte.
In Trauer um ihren verstorbenen Gemahl hatte Hatheburg gelobt, ihr weiteres Leben als Nonne im Kloster zu verbringen. Da begegnete ihr Heinrich I., der Sohn des Herzogs Otto und spätere König und sie wurde seine erste große Liebe. Der Dreißig- jährige warb um Hatheburg wegen ihrer Schönheit und der Brauchbarkeit ihres Erbes. Aber nichts von alledem, was Heinrich tat, gründete sich aus- schließlich auf seine Gefühle. Rasches Handeln war geboten: Hatheburgs stolze Mitgift, die Alte Burg samt der dazugehörigen Ländereien, wäre unter die Hoheit der Kirche geraten, wenn sie sich für ein Leben hinter Klostermauern entschieden hätte. Die umfangreichen Ländereien aber sollten Heinrich helfen, seinen Einflussbereich auszudehnen, denn er hatte sich auf den Weg begeben, der mächtigste Fürst des Ostfrankenreiches zu werden. So heiratete er sie und gelangte dadurch in Besitz des größten Teils von Merseburg, eines Gutes, das er in den folgenden Jahren zu mehren verstand.
Bald nach dem Tode Erwins dürfte Heinrich auch über die hiesige Grafschaft
weitgehend verfügt haben. Das Bischof Siegmund von Halberstadt die Ehe für
rechtswidrig erklärte, weil Hatheburg die Kirche nicht gebeten hatte, ihre
verpflichtenden Bindungen zum Kloster endgültig zu lösen, kam Heinrich zupass.
Bereits drei Jahre später, 909, ließ er sich scheiden und heiratete Mathilde,
eine Nachfahrin des Westfahlen Widukind, die ebenso stark begütert, obendrein aber
auch einflussreich war und damit seinen zentralistischen Plänen entge- gen kam.
Hatheburg ging nun doch ins Kloster. Seine Mer- seburger Besitzungen behielt Heinrich
trotzdem und überschrieb sie nicht, wie es üblich gewesen wäre, auf
seinen und Hatheburgs Sohn Thankmar, der im Jahre der Scheidung zur Welt kam.
