Das eingemauerte Kind in der "Hohen Brücke"
uf dem Weg von Merseburg nach Leipzig, ungefähr eine Viertelstunde vom
Neu- markttor entfernt, führt die "Hohe Brücke" über die "Alte Saale". Um
diese Brücke recht fest zu machen, wurde zur Zeit des Baues hinter das steinerne Bild
eines Gekreuzigten ein lebendiges Kind eingemauert. Dem armen Kind hat man nur ein paar
Brötchen mitgegeben.
Und so kam es zu diesem schrecklichen Ereignis: Vor vielen Jahren lebte auf dem Neumarkt eine junge und bildschöne Bürgerstochter. Viele Jüng- linge fanden Gefallen an ihr, aber sie schenkte nur einem von ihnen ihr Herz. Es war der Sohn eines wohlhabenden Fischers vom Neumarkt. Den Sohn einer armen Frau wies sie jedoch ab, man hatte die Frau als Wahrsagerin und Zauberin in Verdacht.
Als zum Pfingstfest das junge Brautpaar getraut werden sollte, stürzte sich der Abgewiesene blind vor Neid, Zorn und Eifersucht auf seinen glücklichen Nebenbuhler. Er verwundete ihn schwer mit einem Dolch, aber nicht lebensgefährlich. Nach dieser schrecklichen Tat stürzte er sich in die Saale wo er auch ertrank und nur noch als Leiche geborgen werden konnte.
